Rolle rückwärts in der Hilfsmittelversorgung

Pressemitteilung  //  Verband  //  Medizintechnik  // 
  • Bundestag beschließt Rückkehr zu Ausschreibungen

  • Wohnortnahe Versorgung gerät unter zusätzlichen Preisdruck

Berlin, 15. Oktober 2026 – Der Bundestag hat heute mit der Reform der Notfallversorgung auch die Wiedereinführung von Ausschreibungen in der Hilfsmittelversorgung beschlossen. Der Deutsche Industrieverband SPECTARIS bedauert diese Entscheidung. Sieben Jahre nach ihrer Abschaffung kehrt damit ein Instrument zurück, das sich in der Praxis nicht bewährt hat.

„Wer Hilfsmittel ausschreibt, kauft Produkte, aber keine Versorgung. Genau daran ist das Modell schon einmal gescheitert“, sagt Marcus Kuhlmann, Leiter Medizintechnik bei SPECTARIS.

Ob Inkontinenzversorgung, Stomaartikel oder Beatmungsgerät für zu Hause: Gute Hilfsmittelversorgung lebt von Beratung, individueller Anpassung, Einweisung und einem Ansprechpartner, der auch im Notfall erreichbar ist. Diese Leistungen erbringen vor allem regionale Sanitätshäuser und Homecare-Unternehmen. Für sie bedeuten Ausschreibungen zusätzlichen Preisdruck. Dabei leisten sie mit dem dreiprozentigen Abschlag für 2027 und 2028 bereits einen eigenen Sparbeitrag.

Auch die Rechnung hinter der Entscheidung ist fraglich. Den veranschlagten Einsparungen von 75 Millionen Euro stehen Kosten für Vergabeverfahren, Anbieterwechsel und erneute Einweisungen gegenüber. Eine spätere Evaluation hilft wenig, wenn bis dahin bewährte Versorgungsstrukturen verloren gegangen sind.

Das Gesetz muss noch den Bundesrat passieren, der sich voraussichtlich am 20. November damit befasst. SPECTARIS setzt darauf, dass die Länder die Folgen für die wohnortnahe Versorgung in ihren Regionen dort zur Sprache bringen.

Mitgliedschaft Spectaris
Termine, Messen, Veranstaltungen Fachverband Medizintechnik
Neuigkeiten im Fachverband Medizintechnik
Spectaris RSS