Photonik und Quanten als Schlüssel der Hightech-Agenda / SPECTARIS legt zentrale industriepolitische Hand-lungsfelder vor / Strategische Förderung, Infrastrukturaufbau und Talentoffensive nötig
Der Deutsche Industrieverband SPECTARIS startete gestern am 26. November einen parlamentarischen Dialog zur schnelleren Kommerzialisierung von Quantentechnologien, die zu den sechs Schlüsseltechnologien der neuen Hightech-Agenda der Bundesregierung zählen. Im Rahmen eines forschungspolitischen Austauschs in Berlin wurden Wege diskutiert, wie Quantenanwendungen im Zusammenspiel mit der Photonik einen Beitrag zur technologischen Souveränität und zur Stärkung der deutschen Zulieferindustrie leisten können. Nahezu alle Quantenanwendungen – von der Quantensensorik über Quantenkommunikation bis hin zu neuartigen optischen Komponenten für Quantencomputer - bauen wesentlich auf Photonik-Lösungen auf.
Deutschland verfügt mit rund 190.000 Beschäftigten, einem Jahresumsatz von über 50 Milliarden Euro und einem europäischen Marktanteil von etwa 40 Prozent über eine der stärksten Photonikindustrien weltweit. Trotz dieser Stärke bleibt die Kommerzialisierung der Photonik und der Quantentechnologie im internationalen Vergleich zu langsam.
„Der heutige Auftakt war ein wichtiges Signal: Photonik und Quantentechnologien stehen ganz oben auf der politischen Agenda. Aber der Handlungsbedarf bleibt enorm“, erklärte Maik Müller, Vorstand der Nynomic AG und Photonik-Vorsitzender beim Deutschen Industrieverband SPECTARIS. „Deutschland hat jetzt die Chance, im globalen Wettlauf eine führende Position aufzubauen – aber nur, wenn Förderstrukturen, Investitionen und Rahmenbedingungen strategisch ausgerichtet werden.“
Im Mittelpunkt der Diskussion standen die industriepolitischen Hürden: stark fragmentierte Förderstrukturen, ein überproportionaler Fokus auf Quantencomputing sowie das Fehlen industrieller Testumgebungen, Pilotlinien und europäischer Fertigungskapazitäten für optische Komponenten. Mehrere Start-ups und Industrievertreter aus der Photonikindustrie und den Quantentechnologien betonten, dass bereits heute marktreife Technologien in Sensorik und Kommunikation verfügbar seien – diese aber aufgrund mangelhafter Strukturen zu langsam in den Markt gelangen.
SPECTARIS stellte im Rahmen des Frühstücks vier zentrale Handlungsfelder vor, auf denen die Hightech-Agenda und damit die Forschungs- und Industriepolitik rasch Fortschritte erzielen müssen:
- Skalierbare Quantentechnologien fördern: Priorität für Anwendungen mit Marktnähe – insbesondere Quantensensorik, Quantenkommunikation, Software und Pilotprojekte, um die Markteinführung zu beschleunigen.
- Förder- und Organisationsstrukturen besser koordinieren: Konsolidierte, langfristige Programme auf nationaler und europäischer Ebene, die den gesamten Innovationszyklus abdecken.
- Robuste Infrastruktur aufbauen: Offene Testbeds, industrielle Pilotlinien und eine europäische Photonikfertigung, um stabile Lieferketten und technologische Souveränität zu sichern.
- Nachwuchs und Talente stärken: Neue Studiengänge, Kompetenzzentren, Weiterbildungsprogramme sowie erleichterte Fachkräftezuwanderung für den Aufbau einer breiten Talentbasis.
SPECTARIS betonte, dass sich der globale Wettbewerb rasant verschärft. Insbesondere die USA und asiatische Volkswirtschaften investieren massiv in Photonik und Quantentechnologien. Ohne eine strategisch abgestimmte nationale und europäische Planung droht Deutschland, Know-how, Wertschöpfung und Talente zu verlieren.
„Wenn wir die Kommerzialisierung ernst meinen, braucht es jetzt verlässliche, langfristige Strukturen – nicht kleinteilige Programme, die Innovationszyklen ausbremsen“, so Müller weiter. „Photonenbasierte Quantentechnologien sind kein Zukunftsthema von übermorgen. Viele Anwendungen sind heute schon marktreif. Die Politik muss deshalb Rahmenbedingungen schaffen, die den Transfer konsequent ermöglichen.“
Der parlamentarische Austausch wurde von führenden Unternehmen und Forschungseinrichtungen wie TOPTICA, BOSCH Quantum Systems und dem Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut unterstützt. Vertreterinnen und Vertreter des forschungspolitischen Ausschusses nutzten die Gelegenheit zu einem engen Dialog mit der Industrie über konkrete Schritte der Hightech-Agenda.
SPECTARIS wird die politische Debatte zur Ausgestaltung der Hightech-Agenda Deutschland mit der Photonik als Enabling Technology für alle sechs Schlüsseltechnologien auch in den kommenden Monaten eng begleiten und konkrete Vorschläge zur Umsetzung ausarbeiten. Die konzeptionelle Grundlage dafür bietet das gestern veröffentlichte Empfehlungspapier zur Stärkung der Quanten- und Photoniktechnologien aus Deutschland.





