Hilfsmittel-Ausschreibungen: Zusätzlicher Preisdruck gefährdet Patientenversorgung

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  • Eine Rückkehr zu Ausschreibungen kann die Versorgung gefährden – die Folgen tragen die Patientinnen und Patienten
  • Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen: Preisorientierte Vergabe geht zulasten von Wahlfreiheit und individueller Betreuung
  • Weitere Sparvorgaben im Gesundheitswesen müssen in ausgewogenem Verhältnis zur Patientenversorgung stehen

Berlin, 28. September 2026 – Eine Wiedereinführung von Ausschreibungen in der Hilfsmittelversorgung würde vor allem die Patientinnen und Patienten treffen. Davor warnt der Deutsche Industrieverband SPECTARIS. Die Versorgung steht bereits heute unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Bei Hilfsmitteln geht es zudem nicht allein um den Produktpreis. Dazu gehören auch die individuelle Auswahl und Anpassung, die Einweisung, Reparaturen und die kontinuierliche Betreuung durch qualifizierte Fachkräfte.

„Ein Hilfsmittel ist kein Produkt von der Stange, das in einer Ausschreibung allein oder überwiegend nach dem Preis ausgewählt werden darf. Es muss zum individuellen Bedarf der Patientin oder des Patienten passen, und die fachliche Begleitung muss sichergestellt sein“, sagt Marcus Kuhlmann, Leiter der Medizintechnik bei SPECTARIS.

Erfahrungen zeigen Risiken für die Versorgung
Die Erfahrungen mit Ausschreibungen vor ihrer Abschaffung im Jahr 2019 zeigen aus Sicht von SPECTARIS die Risiken eines preisgetriebenen Wettbewerbs. Obwohl Qualität bei der Vergabe berücksichtigt werden kann und die gesetzlichen Vorgaben in der Vergangenheit bereits verschärft wurden, blieben Risiken für die Versorgungsqualität bestehen. Für Patientinnen und Patienten können Ausschreibungen weniger Wahlfreiheit, häufigere Versorgungswechsel, zusätzliche Wege und eine weniger individuelle Versorgung bedeuten.

Der niedrigste Vertragspreis allein ist deshalb kein geeigneter Maßstab für Wirtschaftlichkeit. Die bisherigen Erfahrungen belegen keinen nachhaltigen Einspareffekt, der die Risiken für die Versorgung aufwiegt.

Hinzu kommt der bereits bestehende Preisdruck. Neben den Festbeträgen ist ab 2027 ein gesetzlicher Abschlag von drei Prozent auf die vertraglich vereinbarten Preise vorgesehen. Eine Rückkehr zu Ausschreibungen könnte diesen Druck weiter erhöhen, auch wenn Versorgungsqualität als Vergabekriterium stärker berücksichtigt wird.

Versorgungsstrukturen und Innovation erhalten
Ein stark preisorientiertes Ausschreibungsmodell kann kleinere und mittelständische Anbieter aus einzelnen Versorgungsbereichen verdrängen. Das schwächt wohnortnahe Strukturen. Auch innovative Hilfsmittel hätten es schwerer, wenn sie wegen ihres höheren Entwicklungs- oder Betreuungsaufwands nicht mehr wirtschaftlich angeboten werden können.

„Ein Hilfsmittel, das nicht richtig passt oder nicht richtig erklärt wurde, hilft im Alltag wenig. Dann ist am Ende nichts gespart“, sagt Kuhlmann. „Eine gute Hilfsmittelversorgung muss Qualität, Wirtschaftlichkeit und Innovation zusammenbringen – und das geht nicht über die Rückkehr zu Ausschreibungen."

SPECTARIS spricht sich daher für eine Hilfsmittelversorgung aus, die individuelle Versorgungsbedarfe, fachliche Qualität, Wahlfreiheit und leistungsfähige ambulante Strukturen berücksichtigt.

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