Schutzausrüstung muss endlich in der ambulanten Versorgung ankommen

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Industrieverband SPECTARIS und Deutscher Pflegeverband (DPV) warnen: „Entscheidender Teil des Gesundheitssystems könnte wegbrechen“

Die Mitarbeiter der Homecare-Provider in der respiratorischen Heimtherapie, aber auch im Sanitätsfachhandel und im Orthopädie- und Rehatechnikbereich schlagen Alarm: Immer noch fehlt dringend benötigte Schutzausrüstung, insbesondere Schutzmasken und Desinfektionsmittel. „Die Politik muss hier zügig handeln und bei der Verteilung von Schutzausrüstung neben den Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäuser, Arztpraxen und Pflegeheimen auch die ambulanten Versorgungsbereiche berücksichtigen. Bislang fühlen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der ambulanten Hilfsmittelversorgung allein gelassen“, betont Hubertus Lasthaus, Mitglied im Vorstand Medizintechnik bei SPECTARIS. Ziel muss es sein, sämtliche Personen, die in unmittelbaren Kontakt mit Risiko-Patienten kommen, mit Schutzausrüstung zu versorgen, damit die von ihnen versorgten Patienten und sie selber nicht angesteckt werden.

Insgesamt leiden in Deutschland etwa 450.000 Menschen so schwer unter Atemwegserkrankungen, dass sie außerklinisch mit medizinischem Sauerstoff (365.000 Patienten) versorgt oder beatmet (85.000 Patienten) werden müssen. „Diese Patienten sind durch das Coronavirus besonders gefährdet. Daher kommt dem Schutz dieser Patienten herausragende Bedeutung zu“, so Lasthaus. Ralf Höfert, Geschäftsführer des Deutschen Pflegeverbandes (DPV), ergänzt: „Wir brauchen keine Erklärungen über Transportdefizite, sondern umgehend die Schutzausrüstung zum Schutze der Patienten und Leistungserbringer! Gerade im Versorgungsbereich bei Patienten mit respiratorischen Defiziten ist dieses überlebensnotwendig!“ 

Schutzausrüstung wird darüber hinaus auch im Sanitätsfachhandel und bei Leistungserbringern aus dem Orthopädie- und Rehatechnikbereich dringend benötigt. Ein Großteil der Kunden und Patienten, die mit einer Prothese, einem Rollstuhl oder mit Kompressionsstrümpfen versorgt werden, sind bereits älter und bringen zusätzlich oft andere Vorerkrankungen mit, was sie zu einer Risikogruppe für COVID-19 macht. Bei der Anpassung dieser medizinischen Hilfsmittel ist ein sehr enger Kontakt zwischen Mitarbeiter und Patient unausweichlich. Um die Gefahr einer Ansteckung zu minimieren, müssen diese Mitarbeiter daher ebenfalls dringend Schutzausrüstung tragen. 

Fakt ist: In ihrem täglichen Handeln tragen die Hilfsmittelleistungserbringer wesentlich zur Entlastung der Krankenhäuser während der aktuellen Coronavirus-Krise bei. Sie stellen die Versorgung mit Hilfsmitteln wie Beatmungs- und Sauerstofftherapiegeräten sicher und versorgen die Patienten gemeinsam mit Pflegekräften daheim oder in Pflegeeinrichtungen. Die Hilfsmittelleistungserbringer und die Medizintechnikbranche sind wie die Pflege auch ein wesentlicher Teil der kritischen Infrastruktur und müssen daher bei der Verteilung von Schutzausrüstung entsprechend berücksichtigt werden. „Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Entlastung des stationären Sektors. Wenn allerdings bei der häuslichen Versorgung die Schutzausrüstung fehlt, kann die Entlastung der stationären Strukturen bald nicht mehr gewährleistet werden, weil die Mitarbeiter der Homecare-Provider dann schlicht und einfach gar nicht mehr reingelassen werden“, sagt Lasthaus. „Ein entscheidender Teil der kritischen Infrastruktur unseres Gesundheitssystems würde wegbrechenund in Folge die stationären Strukturen völlig überlasten.“

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