Unter der Überschrift "Photonik is coming home: 2010 wieder weltmeisterlich?" diskutierten am 17. Juni auf der OPTATEC in Frankfurt fünf Geschäftsführer bedeutender Photonik-Unternehmen über die aktuelle Lage und Wachstumschance der Branche. Moderiert von Sabine Beckmann waren das:
- Volker Brockmeyer, Qioptiq
- Rainer Küchler, Heraeus Noblelight GmbH
- Roland Mandler, OptoTech GmbH
- Dr. Andreas Nitze, Berliner Glas KGaA Herbert Kubatz GmbH + Co.
- Stuart Schoenmann, CVI Melles Griot
Ausgangspunkt der Diskussion war ein Blick auf die zurückliegende Wirtschaftskrise – über die die Teilnehmer angesichts der positiven wirtschaftlichen Entwicklung aber eigentlich gar nicht mehr sprechen wollten. Nach Umsatzeinbrüchen von bis zu 20 Prozent 2009 blickt die Photonik nämlich wieder aufwärts. 10 bis 15 Prozent Wachstum prognostizieren die Firmen nach einer SPECTARIS-Umfrage für das laufende Jahr.
Trotzdem ging es zunächst um 2009 und die Lehren, die die Firmenlenker aus der Krise gezogen haben. Diese können schnell zusammengefasst werden: Erstens: Cash is King, um auch mal ein oder anderthalb klamme Jahre finanzieren zu können. Zweitens: Entwicklungs- und Vertriebsaktivitäten und -ausgaben hochhalten oder sogar noch ausbauen. Die große Personal- und Maschinenintensität der Photonik macht kurzfristige Anpassungen schwierig. Sie sind sogar gefährlich, wenn es an die Reduktion der ohnehin knappen Fachkräfte geht.
Der schwächelnde Eurokurs wurde von den Teilnehmern unterschiedlich bewertet. Natürlich sorge er für kurzfristige Möglichkeiten im Auslandsgeschäft. Zudem sei der Dollar nach Jahren der Unterbewertung nun endlich auf seinem "richtigen" Niveau. Andererseits brauche eine Wirtschaft nicht nur einen schwachen, den Export unterstützenden Dollar, sondern soziale und gesamtwirtschaftliche Stabilität. Bei einer langfristigen Abwärtsbewegung des Euros wird eine Schwächung des gesamten Eurolandes befürchtet.
Mit einer Exportquote von fast 70 Prozent ist die Photonik in der gesamten Welt zu Hause. Die BRIC-Staaten, die vier größten Schwellenländer der Erde, sind als wachstumsstarke Zielmärkte in aller Munde. Für die Photonik ist zur Zeit noch das "C" darin ausschlaggebend. Wichtigste Handelspartner sind das Euroland, die USA und eben China, von denen auch weiterhin wichtige Impulse erwartet werden. Über Indien konnten die Teilnehmer keine abschließende Einschätzung abgeben, obwohl schon einige Geschäfte laufen. Der russische Markt verfügt über eine lange optische Tradition, wird in seiner Breite aber noch nicht bearbeitet. Brasilien scheint mehr im amerikanischen Markt als Partner bekannt zu sein, verspricht aber laut Aussage von Stuart Schoenmann glänzende Aussichten, die vielleicht auch die deutschen Hersteller mal unter die Lupe nehmen sollten.
Was darf nun für 2010 und 2011 erwartet werden? Zunächst eine weiterhin so positive Aufwärtsbewegung, 2011 noch stärker als in diesem Jahr. Und das über alle Kundenmärkte hinweg, durch deren Vielfalt sich die Photonik ja auszeichnet. Dazu kommen noch neue Wachstumsmärkte - denn nicht der einzelne Markt oder Technologie, sondern alles in der Photonik sei Zukunft. Und bei der Abschlussfrage waren sich auch (fast) alle einig: Deutschland wird Weltmeister, auch im Fußball!
Der von Schallmessen veranstaltete CEO-Roundtable wurde von SPECTARIS koordiniert und betreut.