Die führenden Hersteller manueller Rollstühle, Behindertenverbände und das Kompetenzzentrum für Bewegungsvorgänge (KfB) an der Fachhochschule Bielefeld starten gemeinsam eine Qualitätsoffensive, um die Hilfsmittelversorgung für Rollstuhlnutzer zu verbessern. Die Initiative ist aus dem Forschungs- und Entwicklungsprojekt "Optimierung des Rollstuhlkomforts" und dem daraus entwickelten "KfB-Energiecluster für manuelle Rollstühle" gewachsen. Sie wird im Herbst 2009 mit einer Fachtagung fortgeführt, an der neben dem SPECTARIS-Fachverband Medizintechnik und dem Qualitätsverbund Hilfsmittel e.V. (QVH) auch Kostenträger und Versorger sowie weitere Partner teilnehmen.
Eine bundesweite Umfrage hat ergeben, dass viele Menschen mit Behinderungen sich bei der Rollstuhlauswahl schlecht beraten fühlen. Zudem mangelt es in der Anpassung oftmals an der Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern. Die Folge: Für zahlreiche Nutzer ist der Rollstuhl kein wirksames Hilfsmittel. Dieses Fazit präsentierten Professor Dr.-Ing. Ralf Hörstmeier und sein Team im Frühjahr 2008 nach einem dreijährigen, interdisziplinären Forschungsprojekt der Fachhochschule Bielefeld. Messreihen des Fachhochschulteams auf der Gesundheitsfachmesse "Rehacare" in Düsseldorf in 2007 und 2008 belegten, das viele manuelle Rollstühle nicht richtig eingestellt sind. Die Auswertung ergab Rollwiderstandswerte von enormem Unterschied (bis zu Faktor 30) – abhängig von Hersteller und Modell, aber auch von der Bereifung. Entsprechend viel müssen Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer leisten, um sich fortbewegen zu können.
Um den Energieverbrauch beziehungsweise die Energieverschwendung beim Antrieb manueller Rollstühle künftig darstellen zu können, hat Projektleiter Professor Dr.-Ing. Hörstmeier mit seinem interdisziplinärem Wissenschaftsteam ein sogenanntes Energiecluster entwickelt, in das sich die Modelle je nach Leicht- oder Schwergängigkeit einstufen lassen. In alphabetisch geordneten Stufen, unterstützt durch eine Farbgebung von rot bis grün, bieten sie den Rollstuhlnutzerinnen und -nutzern einen schnellen Überblick und eine Vergleichsmöglichkeit zwischen den verschiedenen Rollstühlen am Markt an. Das "KfB-Energiecluster für manuelle Rollstühle" verfügt über eine Einteilung in sieben Energieeffizienzklassen.
Jetzt präsentierte der Wissenschaftler in Bielefeld die aktuelle Entwicklung auf der ersten Verbundveranstaltung mit dem SPECTARIS-Fachverband Medizintechnik vor Vertretern verschiedener Rollstuhlhersteller sowie dem Kontaktpartner zum Behinderten-Sportverband Nordrhein-Westfalen e.V. (BSNW) und zum Deutschen Rollstuhl-Sportverband e.V. (DRS). Als wichtige Zielsetzung wurde die Qualitätsoffensive zur Optimierung der Hilfsmittelversorgung beschlossen. Dazu sollen auch der Fachhandel und die Kostenträger einbezogen werden. Für Ende Oktober 2009 ist eine Fachtagung geplant.